- engst.FOTOGRAFIE Insider
- Posts
- engst.FOTOGRAFIE Insider - Mai 2026
engst.FOTOGRAFIE Insider - Mai 2026
Mittlerweile ist der Frühling in vollem Gange und die Motive in der Landschaft nehmen zu. Darum geht es auch in dieser Ausgabe.

Themen in dieser Ausgabe

Mehrfachbelichtung in der Fotografie
Kreative Bildwelten direkt in der Kamera erschaffen
Die Mehrfachbelichtung gehört zu den spannendsten Techniken in der Fotografie. Sie ermöglicht es, mehrere Aufnahmen zu einem einzigen Bild zu kombinieren – und das oft schon direkt in der Kamera. Das Ergebnis sind Bilder, die über die reine Abbildung der Realität hinausgehen und eine ganz eigene, oft fast malerische Wirkung entfalten.
Doch was genau steckt dahinter – und wie lässt sich diese Technik gezielt einsetzen?
Was ist eine Mehrfachbelichtung?
Bei der Mehrfachbelichtung werden zwei oder mehr Fotos übereinandergelegt. Früher geschah das klassisch auf Film, indem derselbe Bildausschnitt mehrfach belichtet wurde. Heute übernehmen moderne Kameras diese Aufgabe digital.
Dabei werden die einzelnen Aufnahmen entweder additiv verrechnet oder gezielt miteinander kombiniert. Je nach Einstellung entsteht so ein harmonisches Gesamtbild oder ein bewusst experimenteller Effekt.

Manche Mehrfachbelichtungen lassen den Betrachter staunen.
Grundlagen für gute Ergebnisse
Eine gute Mehrfachbelichtung ist kein Zufall. Sie lebt von Planung und einem klaren Bild im Kopf.
Worauf es ankommt:
Helle und dunkle Bereiche bewusst nutzen
Helle Flächen überstrahlen dunkle – das kann gezielt eingesetzt werden.Kontraste sind entscheidend
Silhouetten funktionieren besonders gut, weil sie klare Formen liefern.Reduktion statt Chaos
Zu viele Details führen schnell zu unruhigen Bildern.Belichtung im Blick behalten
Mehrere Aufnahmen addieren sich. Viele Kameras reduzieren automatisch die Einzelbelichtung – dennoch lohnt es sich, bewusst leicht unterzubelichten.

Eingefrorene und fließende Bewegungen lassen sich dank Mehrfachbelichtungen kombinieren.
Praktische Tipps aus der Praxis
1. Nutze den Mehrfachbelichtungsmodus deiner Kamera
Viele spiegellose Kameras bieten diese Funktion direkt im Menü. Alternativ funktioniert es auch über die Nachbearbeitung.
2. Arbeite mit Silhouetten
Ein klarer Umriss ist die halbe Miete. Besonders gut funktionieren Gegenlichtsituationen.
3. Denke in Ebenen
Frage dich bei jedem Bild: Vordergrund? Struktur? Hintergrund?
4. Weniger ist mehr
Zwei Bilder sind oft stärker als fünf. Qualität schlägt Komplexität.
5. Experimentiere bewusst
Die Technik lebt vom Ausprobieren. Kleine Variationen können große Unterschiede machen.

Aller Anfang ist schwer: Probiert euch aus.
Häufige Fehler
Zu viele überlagerte Motive → Bild wirkt unruhig
Fehlende Struktur im Hauptmotiv → keine klare Wirkung
Falsche Belichtung → ausgefressene Highlights
Kein klares Konzept → wirkt zufällig statt kreativ
Fazit
Mehrfachbelichtung ist kein reiner Effekt – sie ist ein kreatives Werkzeug. Richtig eingesetzt, entstehen Bilder mit Tiefe, Emotion und einer ganz eigenen Handschrift.
Gerade in Zeiten, in denen viele Fotos technisch perfekt sind, bietet diese Technik eine Möglichkeit, sich bewusst davon abzuheben und etwas Eigenständiges zu schaffen.
Wer sich darauf einlässt, wird schnell merken:
Nicht jedes Bild muss die Realität zeigen – manchmal ist es spannender, sie neu zu interpretieren.

Die wichtigsten Bildbearbeitungsprogramme im Überblick
Wer mit der Bildbearbeitung beginnt, steht schnell vor einer großen Frage: Welches Programm ist das richtige für mich? Die Auswahl ist riesig – von kostenlosen Tools bis hin zu professionellen Komplettlösungen. Genau deshalb lohnt sich ein klarer Überblick, der die Programme nicht nur vergleicht, sondern auch sinnvoll für Einsteiger einordnet.
Adobe Lightroom


Adobe Lightroom ist für viele Fotografen der Einstieg in die Bildbearbeitung.
Stärken:
Sehr übersichtlich aufgebaut
Perfekt für große Bildmengen (Katalog-System)
Starke Werkzeuge für Belichtung, Farben und Kontraste
Ideal für Landschafts- und Reisefotografie
Schwächen:
Keine echte Ebenenbearbeitung
Abo-Modell
Für Einsteiger:
👉 Absolute Empfehlung. Du lernst hier die Grundlagen der Bildbearbeitung strukturiert und praxisnah.
Adobe Photoshop


Adobe Photoshop ist der Platzhirsch, wenn es um kreative und komplexe Bildbearbeitung geht.
Stärken:
Unbegrenzte Möglichkeiten (Retusche, Composing, Grafik)
Arbeiten mit Ebenen und Masken
Industriestandard
Schwächen:
Steile Lernkurve
Für Einsteiger oft überfordernd
Ebenfalls Abo-Modell
Für Einsteiger:
👉 Nicht der beste Startpunkt allein. In Kombination mit Lightroom aber unschlagbar.
GIMP
GIMP ist die bekannteste kostenlose Alternative zu Photoshop.
Stärken:
Komplett kostenlos
Viele Funktionen ähnlich Photoshop
Große Community
Schwächen:
Unübersichtliche Oberfläche
Teilweise komplizierter Workflow
Für Einsteiger:
👉 Gut für den Einstieg ohne Budget, aber etwas sperrig.
Affinity Photo


Affinity Photo ist eine ernstzunehmende Alternative zu Photoshop – ohne Abo.
Stärken:
Einmalzahlung statt Abo
Sehr leistungsfähig (Ebenen, Retusche, RAW)
Modernes Interface
Schwächen:
Weniger Tutorials als bei Adobe
Etwas weniger verbreitet
Für Einsteiger:
👉 Sehr gute Wahl, wenn du langfristig ohne Abo arbeiten willst.
Darktable

Darktable ist eine kostenlose Alternative zu Lightroom.
Stärken:
Kostenlos und Open Source
Sehr mächtige RAW-Entwicklung
Nicht-destruktiver Workflow
Schwächen:
Komplexe Bedienung
Weniger intuitiv als Lightroom
Für Einsteiger:
👉 Nur bedingt geeignet, eher für technisch Interessierte.
RAW Therapee

RAWTherapee ist ein kostenloses Programm, das sich komplett auf die Entwicklung von RAW-Dateien konzentriert.
Stärken:
Sehr hohe Bildqualität bei der RAW-Entwicklung
Extrem viele Einstellmöglichkeiten
Kostenlos und Open Source
Schwächen:
Sehr technische Oberfläche
Kaum selbsterklärend
Kein Katalogsystem wie bei Lightroom
Für Einsteiger:
👉 Ehrlich gesagt: schwierig.
RAWTherapee ist mächtig, aber eher ein Werkzeug für Leute, die genau wissen, was sie tun. Für den Start kann es schnell frustrieren.
Luminar Neo

Luminar Neo setzt stark auf künstliche Intelligenz und automatische Bildoptimierung.
Stärken:
Sehr schnelle Ergebnisse durch AI-Tools
Intuitive Bedienung
Beeindruckende Funktionen wie Himmel austauschen oder Portrait-Retusche
Schwächen:
Weniger Kontrolle als bei Lightroom/Photoshop
Ergebnisse wirken schnell „überbearbeitet“
Teilweise zusätzliche Kosten für Erweiterungen
Für Einsteiger:
👉 Motivierender Einstieg.
Perfekt, wenn du schnell sichtbare Ergebnisse willst – aber aufpassen, dass du dich nicht nur auf „Automatik“ verlässt.
Was passt wirklich zu dir?
Jetzt wird es klarer, wenn man alles zusammennimmt:
Du willst Fotografie wirklich lernen (der beste Weg):
→ Adobe Lightroom
Du willst maximale Kontrolle und später mehr rausholen:
→ Adobe Photoshop oder Affinity Photo
Du hast kein Budget:
→ GIMP + Darktable
→ oder technisch: RAWTherapee
Du willst schnelle, beeindruckende Ergebnisse ohne viel Aufwand:
→ Luminar Neo
Klare, ehrliche Empfehlung
Ich sag’s dir ganz direkt, so wie ich es auch in einem Workshop sagen würde:
Luminar Neo macht Spaß und motiviert – aber bringt dir wenig Verständnis für Bildbearbeitung bei
RAWTherapee ist stark – aber für Einsteiger oft ein Krampf
Lightroom bleibt der beste Einstieg, wenn du nachhaltig besser werden willst
👉 Wenn dein Ziel ist, bessere Fotos zu machen und nicht nur Effekte draufzuklatschen, dann führt an einem strukturierten Workflow (Lightroom & Co.) kein Weg vorbei.

Fotoaufgabe Mai
Der Mai ist für viele Fotografen ein besonders schöner Monat. Die Natur steht in voller Kraft, das Licht wird weicher, die Tage länger und fast überall zeigen sich frische Farben, Blüten und lebendige Motive. Gerade für Einsteiger ist das eine ideale Zeit, um die Kamera bewusster in die Hand zu nehmen und mit kleinen, machbaren Aufgaben den eigenen Blick zu schulen.
Hier sind fünf Fotoaufgaben für den Mai, die sich ohne großen Aufwand umsetzen lassen und dabei helfen, Motive, Licht und Bildgestaltung besser zu verstehen (Du musst natürlich nicht alle Aufgaben umsetzen 😉 ).
Wenn du möchtest, kannst du mir deine Bilder an [email protected] schicken und ich gebe dir Feedback dazu.
1. Fotografiere frisches Grün in verschiedenen Lichtstimmungen
Im Mai zeigt sich die Natur in einem ganz besonderen Farbton. Das frische Grün von Bäumen, Wiesen und jungen Blättern wirkt oft besonders leuchtend und lebendig. Die Aufgabe besteht darin, dieses Grün einmal morgens, mittags und abends zu fotografieren. So wird schnell deutlich, wie stark Licht die Wirkung eines Motivs verändert. Während das Licht am Morgen oft weich und klar ist, sorgt der Abend für warme, stimmungsvolle Farben. Diese Übung hilft dabei, ein Gefühl für Licht und Atmosphäre zu entwickeln.
2. Suche nach Blüten und arbeite mit offenen Blenden
Überall blüht es: in Gärten, Parks, auf Wiesen oder am Wegesrand. Eine schöne Aufgabe für Einsteiger ist es, einzelne Blüten gezielt freizustellen. Dabei lohnt es sich, mit einer offenen Blende zu arbeiten, um den Hintergrund weich und ruhig wirken zu lassen. So entsteht mehr Tiefe im Bild, und das Hauptmotiv rückt stärker in den Fokus. Wichtig ist dabei, sich Zeit für den Bildaufbau zu nehmen und bewusst auf störende Elemente im Hintergrund zu achten.
3. Fotografiere ein Motiv aus drei verschiedenen Perspektiven
Diese Aufgabe ist einfach, aber sehr lehrreich. Es wird ein einziges Motiv gewählt, zum Beispiel ein Baum, eine Bank, eine Blume oder ein Zaun. Dieses Motiv wird dann aus drei unterschiedlichen Perspektiven fotografiert: einmal auf Augenhöhe, einmal von oben und einmal ganz tief aus der Nähe des Bodens. Auf diese Weise wird schnell klar, wie stark die Perspektive die Bildwirkung beeinflusst. Gerade Einsteiger lernen so, dass gute Fotos nicht nur vom Motiv, sondern oft vor allem vom Standpunkt des Fotografen abhängen.
4. Halte Regentropfen oder Spuren von Feuchtigkeit fest
Der Mai bringt nicht nur Sonne, sondern oft auch wechselhaftes Wetter. Genau darin liegt eine spannende fotografische Chance. Nach einem Regenschauer können Tropfen auf Blättern, Blüten, Fensterscheiben oder Geländern fotografiert werden. Solche Motive wirken oft ruhig, detailreich und sehr stimmungsvoll. Wer genau hinschaut, entdeckt in kleinen Wasserperlen oft faszinierende Reflexe und Strukturen. Diese Aufgabe schult den Blick für Details und zeigt, dass gute Motive oft direkt vor der eigenen Haustür liegen.
5. Erzähle mit drei Bildern eine kleine Mai-Geschichte
Zum Abschluss geht es nicht nur um ein einzelnes Foto, sondern um eine kleine Bildserie. Die Aufgabe lautet, mit drei Aufnahmen eine kurze Geschichte über den Mai zu erzählen. Das kann zum Beispiel ein Spaziergang durch die Natur sein, ein Nachmittag im Garten, ein Besuch im Park oder ein stiller Moment im Abendlicht. Wichtig ist, dass die Bilder zusammenpassen und eine kleine Stimmung transportieren. Diese Übung hilft dabei, bewusster zu fotografieren und Motive nicht nur einzeln, sondern im Zusammenhang zu sehen.
Fazit
Fotografie lebt nicht nur von Technik, sondern vor allem vom Sehen. Solche kleinen Monatsaufgaben helfen dabei, den Blick zu schärfen, Motive bewusster wahrzunehmen und die Kamera mit mehr Sicherheit zu bedienen. Der Mai bietet dafür beste Voraussetzungen. Oft braucht es gar keine spektakulären Orte, sondern nur offene Augen, etwas Neugier und die Bereitschaft, Motive einmal genauer zu betrachten.
Damit endet auch schon wieder diese Ausgabe des Newsletters im neuen Jahr. Aber keine Sorge, ein neues Jahr voller fotografischer Erlebnisse liegt vor uns und ich freue mich darauf, es mit euch zu erkunden.
Allzeit gutes Licht und immer spannende Motive vor der Kamera wüscht,
Thomas